Südfunk Transistor Radio K986

Im Zuge der technologischen Revolutionen der Nachkriegszeit, die durch einen zunehmenden Wohlstand und ein erwachendes Interesse an Konsumelektronik geprägt war, markierte der Südfunk Transistor K986 einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der Radiotechnologie. Als eines der ersten volltransistorisierten Portableradios in Deutschland, hergestellt von Südfunk-Apparatebau, Dr. Ing. Robert Ott in Stuttgart zwischen 1959 und 1961, steht der K986 exemplarisch für die Ära des Übergangs von der Röhrentechnik zur soliden State-Technologie. Dieser Fortschritt ermöglichte es, die Grenzen der Mobilität, Leistung und des Designs neu zu definieren und trug maßgeblich zur Demokratisierung des Zugangs zu Information und Unterhaltung bei. Der K986 ist nicht nur ein Zeugnis des technologischen Fortschritts, sondern spiegelt auch den soziokulturellen Wandel seiner Zeit wider, der durch den Drang nach Freiheit, Mobilität und einem neuen Lebensstil charakterisiert war. In der folgenden Betrachtung werden die technischen Daten, der historische Kontext sowie Design und Material des Südfunk Transistor K986 detailliert erörtert, um die Bedeutung dieses Geräts in der Geschichte der Unterhaltungselektronik vollumfänglich zu würdigen.

 

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Südfunk Transistor Radio K986  [1]

 

Inhaltsverzeichnis:

1. Technische Daten

2. Historischer Kontext

3. Design und Material

 

1. Technische Daten

Die technischen Daten des Südfunk Transistor K986 spiegeln die bemerkenswerte Ingenieurskunst und den Innovationsgeist der späten 1950er und frühen 1960er Jahre wider. Dieses tragbare Radio, hergestellt von Südfunk-Apparatebau, Dr. Ing. Robert Ott in Stuttgart, Deutschland, markiert einen signifikanten Wendepunkt in der Geschichte der Radiotechnologie, insbesondere im Übergang von Röhren- zu Transistorradios. Der Südfunk K986, eingeführt zwischen 1959 und 1961, war eines der ersten deutschen Radiogeräte, das vollständig auf Transistortechnologie setzte. Die Verwendung von Transistoren anstelle von Vakuumröhren war ein entscheidender Schritt vorwärts, da sie kleiner, leichter, energieeffizienter und robuster waren. Dies ermöglichte es dem K986, als tragbares Gerät konzipiert zu werden, das weit über die Grenzen eines Haushalts hinaus genutzt werden konnte.

Die technischen Spezifikationen des K986 sind ein Spiegelbild seiner Zeit und demonstrieren die damaligen technologischen Möglichkeiten sowie die Herausforderungen. Mit insgesamt neun Transistoren, darunter Typen wie der OC615, OC614 und der OC604, nutzte es die Superheterodyn-Empfangsprinzipien, die für eine verbesserte Frequenztrennung und Empfindlichkeit gegenüber den verfügbaren Sendern sorgten. Diese Technologie war essenziell für den Empfang der damals relativ neuen UKW-Bänder (Ultrakurzwelle), die eine bessere Klangqualität im Vergleich zum Mittelwellenband boten. Die Wellenbereiche des K986 umfassten Broadcast (BC) und FM oder UHF, was die Vielseitigkeit des Geräts in Bezug auf den Empfang unterschiedlicher Sender unterstreicht. Die Stromversorgung erfolgte durch vier 1,5-Volt-Trockenbatterien, was die Mobilität und Benutzerfreundlichkeit des Radios weiter erhöhte. Die Ausgangsleistung von 0,6 Watt war für die damalige Zeit und die Größe des Geräts beachtlich, mit einem permanentmagnetischen Dynamiklautsprecher, der trotz der kompakten Abmessungen von 220 x 155 x 75 mm einen zufriedenstellenden Klang bot.

 

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Transistor Radio K986 Schaltplan  [1]

 

Die Abstimmkreise des K986, bestehend aus 5 AM- und 11 FM-Kreisen, demonstrieren die Komplexität und den technischen Fortschritt des Geräts. Diese ermöglichten es dem Benutzer, eine breite Palette von Radiostationen mit unterschiedlichen Frequenzen klar und deutlich zu empfangen. Es ist wichtig zu betonen, dass die Feinabstimmung dieser Kreise und die Integration in ein so kompaktes Gehäuse bemerkenswerte ingenieurtechnische Leistungen darstellten. Die Konstruktion und das Material des K986, oft aus Leder, Leinwand oder Kunststoff über anderen Materialien, reflektieren nicht nur den Stil und die Ästhetik seiner Zeit, sondern auch den Wunsch nach Haltbarkeit und Portabilität. Das Radio war in seiner Form als tragbares Gerät konzipiert, was es zu einem idealen Begleiter für unterwegs machte und den Lifestyle der 1960er Jahre widerspiegelte, der zunehmend von Mobilität und Freiheit geprägt war. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die technischen Daten des Südfunk Transistor K986 nicht nur ein Fenster in die technologische Vergangenheit öffnen, sondern auch die Grundsteine für zukünftige Entwicklungen in der Radiotechnologie und Elektronik legen. Die Betrachtung dieser Spezifikationen bietet ein tieferes Verständnis für die Komplexität und den Innovationsgeist einer Ära, die den Weg für die moderne Konsumelektronik ebnete​​​​​​.

 

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Transistor Radio K986 Innenansicht [1]

 

Technische Details des Transistorradios K986
Hauptprinzip Superheterodyn (üblich); ZF/IF 465/10700 kHz
Abgestimmte Schaltungen 5 AM-Schaltkreise; 11 FM-Schaltkreise
Wellenbänder Rundfunk (BC) und FM oder UHF
Stromart und Spannung Trockenbatterien / 4 × 1,5 Volt
Lautsprecher Permanentmagnet-Dynamik (PDyn) Lautsprecher (Bewegungsspule) / Ø 10 cm = 3,9 Zoll
Leistung 0,6 W (unbekannte Qualität)
Material Leder / Leinwand / Kunststoff - über anderes Material
Modell Portable K986 [OC615] - Südfunk-Apparatebau, Dr. Ing.
Form Tragbarer Satz > 8 Zoll (auch ohne Netzanschluss verwendbar)
Abmessungen (BHT) 220 x 155 x 75 mm / 8,7 x 6,1 x 3 Zoll
Notizen Der K986 wurde im Frühjahr 1959 als erstes deutsches Volltransistor-Portable mit UKW-Bereich auf den Markt gebracht. Der Portable K986 führt in der zweiten Saison die Transistoren: OC171V, OC615, OC614, 2× AF105, 2× OC604, 2× OC74; Dioden: 2× OA70, 2× OA79. Auch als Neckermann-Modell.
Nettogewicht 1,9 kg / 4 Pfund 3 Unzen (4,185 Pfund)
Preis im ersten Verkaufsjahr 299,00 DM

 

2. Historischer Kontext

Der historische Kontext des Südfunk Transistor K986 ist tief in der Entwicklungsgeschichte der Nachkriegszeit verwurzelt, einer Epoche, die durch technologische Innovationen und einen starken Wandel in der Konsumkultur gekennzeichnet war. Die Einführung dieses Radios in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren fiel zusammen mit einem Zeitraum, in dem die Elektronikindustrie bedeutende Fortschritte machte, insbesondere im Bereich der Unterhaltungselektronik. Dieser Abschnitt betrachtet den historischen Kontext des K986, ohne auf die technischen Daten oder das Design und Material einzugehen, die bereits in anderen Kapiteln behandelt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Welt eine Periode des Wiederaufbaus und des wirtschaftlichen Aufschwungs, bekannt als das "Wirtschaftswunder" in Deutschland. Diese Zeit war geprägt von einem zunehmenden Wohlstand in der Bevölkerung und einem wachsenden Interesse an Konsumgütern, einschließlich Radios und später Fernsehern. Die Transistorrevolution, die in den 1950er Jahren begann, spielte eine entscheidende Rolle in der Entwicklung portabler Elektronikgeräte. Transistoren boten gegenüber den traditionellen Vakuumröhren mehrere Vorteile: Sie waren kleiner, energieeffizienter, langlebiger und ermöglichten den Bau kompakter und mobiler Geräte.

Der Südfunk K986 ist ein Produkt dieser Zeit des technologischen Umbruchs. Als eines der ersten tragbaren Transistorradios auf dem deutschen Markt verkörpert es die beginnende Mobilität und Unabhängigkeit in der Mediennutzung. Vor der Einführung von Transistorradios waren die meisten Radiogeräte groß, sperrig und auf einen festen Standort im Haushalt beschränkt. Die Möglichkeit, Musik und Nachrichten unterwegs zu hören, ohne auf einen Stromanschluss angewiesen zu sein, öffnete neue Horizonte für den Konsum von Rundfunkinhalten und spiegelte den wachsenden Wunsch nach Freizeit und Unterhaltung in der Gesellschaft wider. Die 1960er Jahre waren auch eine Zeit des kulturellen Wandels, in der Musik eine zentrale Rolle spielte. Jugendkulturen, wie die der "Swinging Sixties" in Großbritannien und anderswo, nutzten das Radio als Mittel zur Verbreitung neuer Musikstile und zur Formung von Identitäten. Der Südfunk K986 und ähnliche Geräte waren Werkzeuge dieses Wandels, indem sie den Zugang zur Musik und zu Informationen demokratisierten und so zur sozialen und kulturellen Dynamik der Zeit beitrugen.

Darüber hinaus reflektiert der K986 den Wettbewerb und die Innovationen innerhalb der Elektronikindustrie im Kalten Krieg-Kontext. Die Entwicklung und Produktion von Transistortechnologie war Teil eines größeren technologischen Wettlaufs, der nicht nur kommerziell, sondern auch politisch motiviert war. In diesem Umfeld war die Fähigkeit, fortschrittliche Technologie zu entwickeln und zu vermarkten, ein Zeichen nationaler Stärke und technologischer Kompetenz. Abschließend lässt sich sagen, dass der Südfunk Transistor K986 nicht nur als ein Stück Technikgeschichte betrachtet werden sollte, sondern auch als ein Zeugnis der sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Veränderungen seiner Zeit. Durch die Linse dieses Radios können wir die Komplexität der Nachkriegszeit besser verstehen – eine Epoche, die durch den Wunsch nach Wiederaufbau, Fortschritt und einem neuen Lebensstil geprägt war. Der K986 steht somit nicht nur für die technische Innovation der Transistortechnologie, sondern auch für die tiefgreifenden Veränderungen in der Gesellschaft, die durch diese Technologie ermöglicht wurden.

 

3. Design und Material

Das Design und Material des Südfunk Transistor K986 spiegeln die ästhetischen und praktischen Ansprüche der späten 1950er und frühen 1960er Jahre wider und bieten zugleich Einblick in die kulturellen und technologischen Entwicklungen dieser Epoche. In dieser Zeit der Designgeschichte begannen die Form und das Aussehen elektronischer Geräte eine ebenso wichtige Rolle wie ihre technische Leistungsfähigkeit zu spielen, was die Integration von Kunst und Technologie in den Alltag der Menschen markierte. Der K986, als ein tragbares Transistorradio konzipiert, repräsentiert eine signifikante Abkehr von den früheren, oft klobigen und ausschließlich funktional orientierten Designs. Die tragbaren Radios dieser Ära mussten nicht nur technisch fortschrittlich, sondern auch visuell ansprechend und leicht zu handhaben sein, um den mobilen Lebensstilen gerecht zu werden. Dieses neue Paradigma führte zu Designs, die Eleganz und Portabilität miteinander verbanden, wobei besonderes Augenmerk auf die Materialauswahl und die Formgebung gelegt wurde.

 

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Südfunk Transistor Radio K986 Senderwahleinstellung [1]

 

Das Gehäuse des K986 ist ein Paradebeispiel für die damalige Materialinnovation. Häufig aus einer Kombination von Leder, Leinwand und Kunststoff gefertigt, boten diese Materialien nicht nur Schutz für die interne Technik, sondern auch eine ansprechende Haptik und Optik. Das Leder und die Leinwand verliehen dem Gerät ein Gefühl von Luxus und Robustheit, während der Kunststoff für Leichtigkeit und eine moderne Anmutung sorgte. Diese Materialien waren auch Ausdruck der Nachkriegszeit, in der der Zugang zu neuen und vielfältigen Ressourcen das Design von Konsumgütern revolutionierte. Die Farbgebung und die texturierten Oberflächen dieser Materialien spielten ebenfalls eine wichtige Rolle im Designprozess. Beige und andere Erdtöne, häufig verwendet für den K986, spiegelten die ästhetischen Präferenzen der Zeit wider und ermöglichten es dem Radio, sich harmonisch in die Wohnumgebungen einzufügen. Dieser Ansatz steht im Kontrast zu den späteren Jahrzehnten, in denen leuchtende Farben und futuristische Designs vorherrschten, und unterstreicht die damalige Suche nach Gemütlichkeit und Eleganz.

 

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Transistor Radio K986 Rückansicht [1]

 

Die Formgebung des K986, charakterisiert durch seine kompakten Abmessungen und das tragbare Design, illustriert die funktionale Seite des Designs. Die Größe und das Gewicht des Radios wurden sorgfältig abgewogen, um maximale Portabilität zu gewährleisten, ohne die Leistung oder Bedienbarkeit zu beeinträchtigen. Die Bedienelemente waren intuitiv angeordnet und ergonomisch gestaltet, was die Benutzerfreundlichkeit unterstrich. Diese durchdachte Gestaltung macht deutlich, wie Designer der Zeit technische Einschränkungen als Herausforderungen ansahen, die kreative Lösungen erforderten.

 

Quellen [10.02.2024]

[1] Radiomuseum.org - Südfunk Transistor K986 OC615

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