Schneider Stereoturm: Ein Stück Rundfunkgeschichte

 Der Schneider Stereoturm symbolisiert eine wichtige Ära in der Geschichte der Unterhaltungselektronik. Dieser Beitrag erforscht die technischen Merkmale, die historische Bedeutung und den Einfluss des Schneider Stereoturms, eines in den 1980er und 1990er Jahren populären Audiosystems. Wir beleuchten die Herausforderungen und Strategien von Schneider, insbesondere die Balance zwischen Erschwinglichkeit, Qualität und Werbeversprechen, und wie diese die Entwicklung der Audiotechnologie beeinflussten.

 

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SCHNEIDER Dual 461 [2]

 

Inhaltsverzeichnis:

1. Schneider Unternehmen

2. Technische Details des Schneider SMV 600

 

1. Schneider Unternehmen

Die Geschichte der Schneider-Rundfunkwerke AG, später bekannt als Schneider Electronics AG und schließlich als Schneider Technologies AG, ist tief verwurzelt in der deutschen Industriegeschichte. Ihren Ursprung nahm sie im Jahr 1859 in Türkheim, Landkreis Unterallgäu, mit der Produktion von Holzwaschmaschinen unter der Leitung von Felix Schneider. Mit der Zeit diversifizierte sich das Unternehmen und stellte Spinde für die Bundeswehr sowie Gehäuse für Musiktruhen her. Ein Wendepunkt in der Unternehmensgeschichte trat 1965 ein, als unter der Leitung von Leo Schneider die Produktion auf Unterhaltungselektronik umgestellt wurde. Die ersten Musikschränke markierten den Beginn einer neuen Ära. In den folgenden Jahren erweiterte Schneider sein Portfolio durch Übernahmen, darunter der Radiofabrikant Emud im Jahr 1972 und der Büromaschinenhersteller Walther im Jahr 1974. Das Angebot reichte von Musik-Kompaktanlagen, die unter anderem für das Versandhaus Neckermann produziert wurden, bis hin zu Fernsehgeräten mit eigenem Chassis. Innovative Entwicklungen wie der 500-Seiten-Speed-Videotext, der Prime Timer, kabellose HiFi-Bausteine mit dem Stecksystem DCS im Jahr 1981, das per Kurbel stromeigenversorgte Radio Turny im Jahr 1983 und der erste vollständig recycelbare Fernseher Ökovision im Jahr 1993 zeigten das Engagement des Unternehmens für Innovation. In den 1980er Jahren entstand eine eigene Computerabteilung, die Schneider Computer Division, die sich neben Unterhaltungselektronik auch auf Computerprodukte konzentrierte. Ab 1984 vertrieb Schneider in Lizenz den Amstrad CPC 464, einen direkten Konkurrenten des Commodore 64, gefolgt von den Schreibsystemen Amstrad PCW bzw. Schneider Joyce und IBM-kompatiblen Modellen wie Amstrad PC1512 und PC1640. Eine Besonderheit war die innovative Entwicklung der BIOS-Einstellungen, die von da an nicht mehr über Jumper auf dem Mainboard gesteckt werden mussten. Ab 1988 vermarktete Schneider den selbst entwickelten Euro PC.

In den 1990er Jahren versuchte Schneider, mit der Zeit zu gehen und präsentierte 1993 den ersten Laser-TV-Prototyp, eine Entwicklung in Zusammenarbeit mit Daimler-Benz und Jenoptik AG. Trotz des innovativen Ansatzes wurde das Projekt nicht bis zur Marktreife weitergeführt. Im Jahr 1988 erwarb Schneider die Rechte an seinem langjährigen Plattenspieler-Zulieferanten Dual, verkaufte diese jedoch bereits 1995 an Karstadt AG weiter. Im Sommer 1996 stellte Schneider die Produktion im Zweigwerk in Nersingen-Straß ein. Das Ende von Schneider als eigenständiges Unternehmen kam mit der Insolvenz im Jahr 2002. Die Produktionsanlagen in Türkheim, Warenbestände und Markenrechte wurden an den chinesischen Elektronikkonzern TCL verkauft. TCL bildete dann zusammen mit dem französischen Thomson-Konzern das Joint Venture TCL Thomson Electronics (TTE), das zu einem der größten Fernsehhersteller weltweit heranwuchs. Trotz des Endes der Produktion im Januar 2005 und der Umwandlung des Werksgeländes in den Businesspark A96 durch Finsterwalder Transport & Logistik, blieb die Marke Schneider ein Symbol für die Transformation und Entwicklung der deutschen Unterhaltungselektronik- und Computerindustrie.

 

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Schneider Logo

 

2. Technische Details 

Der Schneider Stereoturm, ein markantes Produkt aus der Blütezeit der Unterhaltungselektronik in den 1980er und 1990er Jahren, verkörpert ein faszinierendes Kapitel in der Geschichte der Audiotechnologie. Diese Anlagen, bestehend aus einer Reihe von gestapelten Komponenten, boten ein komplettes Audiosystem in einem einzigen Gerät. Typischerweise umfasste ein Stereoturm von Schneider nicht nur ein Doppelkassettendeck und einen Plattenspieler, sondern auch ein Radio, einen Equalizer und zwei Lautsprecherboxen. Das Ziel von Schneider, erschwingliche Produkte mit akzeptabler Qualität anzubieten, war eine Antwort auf den damaligen Markt, in dem Stereoanlagen häufig als Luxusgüter angesehen wurden. In einer Ära, in der solche Anlagen oft teuer und für den durchschnittlichen Verbraucher unerschwinglich waren, versuchte Schneider, eine kostengünstige Alternative zu bieten. Diese Strategie machte Stereoanlagen einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich und trug dazu bei, die Kluft zwischen High-End-Audiogeräten und den Bedürfnissen des durchschnittlichen Hörers zu überbrücken.

 

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SCHNEIDER Dual 461 [2]

 

Ein kritischer Aspekt der Schneider Stereotürme war jedoch die Diskrepanz zwischen den beworbenen Leistungsmerkmalen und der tatsächlichen Leistung. Beispielsweise warb Schneider für seine Stereoanlagen mit einer Ausgangsleistung von 1000 Watt, obwohl Messungen zeigten, dass die tatsächliche Leistung etwa bei 2x30 Watt lag. Diese Praxis, die auf übertriebenen Leistungsangaben beruhte, war nicht unüblich in der Unterhaltungselektronikbranche der damaligen Zeit. Sie zielte darauf ab, durch spektakuläre, aber unrealistische Leistungsangaben die Aufmerksamkeit der Käufer zu erregen und den Eindruck eines leistungsstarken Systems zu vermitteln. Preislich lag der Schneider Stereoturm im mittleren Segment und wurde in Deutschland für rund 500 Deutsche Mark verkauft. Dieser Preispunkt machte ihn für eine breitere Käuferschicht attraktiv, obwohl die tatsächliche Leistung und Qualität hinter den beworbenen Spezifikationen zurückblieben. Der Schneider Stereoturm spiegelte somit nicht nur die technischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten seiner Zeit wider, sondern auch die Marketingstrategien und Verbrauchererwartungen einer Ära, in der das Streben nach erschwinglicher Unterhaltungselektronik oft an die Grenzen der technischen Möglichkeiten stieß. Insgesamt repräsentiert der Schneider Stereoturm eine wichtige Phase in der Entwicklung der Audiotechnologie, in der die Balance zwischen Kosten, Qualität und Marketing eine zentrale Rolle spielte. Es war ein Produkt, das die Bedürfnisse einer spezifischen Kundengruppe erfüllte, die nach einem erschwinglichen, wenn auch weniger hochwertigen Audiosystem suchte. Diese Phase markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Unterhaltungselektronik, der die Entwicklung und Vermarktung von Audioprodukten bis heute beeinflusst.

 

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SCHNEIDER Dual 461 Tonnadel [2]

 

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TA-Anschlußschema [3]

 

Quellen [23.12.2023]

[1] https://www.ebay.de/itm/145504633633?hash=item21e0c08321:g:4i0AAOSwWxZkGcG6

[2] https://www.ebay.de/itm/295754636187?mkrid=707-53477-19255-0&siteid=77&mkcid=1&campid=5336403535&toolid=10001&mkevt=1&customid=itemlink

[3] https://hifi.dual.de/wp-content/uploads/2022/07/ServiceManual_461.pdf

 

Alternative Bilder: 

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Ansicht Vorne [1]

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Ansicht Oben/Vorne [1]

 

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Ansicht Oben [1]

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