Braun T1000 Weltempfänger

Der Braun T1000 Weltempfänger, ein Meilenstein in der Geschichte der Radiotechnologie, wurde in den frühen 1960er Jahren von der deutschen Firma Braun unter der Leitung von Dieter Rams entwickelt. Dieses Gerät zeichnet sich nicht nur durch seine fortschrittlichen technischen Eigenschaften aus, sondern auch durch sein wegweisendes Design. In einer Zeit großer politischer und sozialer Veränderungen war der T1000 mehr als nur ein Radiogerät; er war ein Zeuge des technologischen Fortschritts und ein Spiegelbild der damaligen Designphilosophie. Seine Entwicklung und Eigenschaften bieten einen tiefen Einblick in die Innovationen der Radiotechnologie und des Industriedesigns der 1960er Jahre.

 

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Braun T1000 Weltempfänger Gehäuse [1]

 

Inhaltsverzeichnis:

1. Geschichte und Herstellung

2. Technische Daten

3. Design und kulturelle Bedeutung

 

1. Geschichte und Herstellung

Der Braun T1000 Weltempfänger, ein Transistorradio, markiert einen signifikanten Fortschritt in der Entwicklung und dem Design tragbarer Radios. Produziert von 1963 bis 1967 durch Braun, einem deutschen Unternehmen, das für seine Innovationen in der Elektronikbranche bekannt ist, wurde dieses Radio erstmals auf der Großen Deutschen Funk-Ausstellung in Berlin im Jahr 1963 vorgestellt. Entworfen von Dieter Rams, dem damaligen Leiter der Formgebung bei Braun, verkörpert der T1000 eine Ära der Produktgestaltung, die Funktionalität und Ästhetik in den Vordergrund rückt. Dieses Design war Teil der Produktlinie "Studio 1000", die darauf abzielte, hochwertige Elektronikprodukte mit einem minimalistischen und benutzerfreundlichen Design zu kombinieren. Die Produktion umfasste etwa 10.800 Einheiten mit schwarzer Skala und etwa 500 Einheiten mit weißer Skala, gefolgt vom Nachfolgemodell T 1000 CD, von dem bis 1970 13.981 Stück hergestellt wurden.

 

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Braun T1000 geschlossen [2]

 

Technisch gesehen war der T1000 ein Meisterwerk seiner Zeit. Er verfügte über zwei getrennte Empfangsteile, eines für Ultrakurzwellen und eines für den Empfang von Kurz-, Mittel- und Langwelle. Mit insgesamt acht Wellenbereichen konnte das Kurzwellenspektrum von 1,6 bis 30 Megahertz empfangen werden, während fünf Frequenzbänder das Mittel- und Langwellenspektrum abdeckten. Die Stromversorgung erfolgte über neun Batterien der Baugröße Monozelle. Der Verkaufspreis im Jahr 1967 lag bei 1.400 DM, was heutzutage etwa 3.000 Euro entspricht. Darüber hinaus wurden als Zubehör das Einbaunetzteil TN 1000, der Peiladapter PV 1000 und das Peilkreuz PK 1000 angeboten. Die Produktion des T1000 wurde Anfang der 1970er Jahre eingestellt, da die Herstellung nicht mehr kostendeckend war. Braun verlagerte seinen Schwerpunkt im Bereich der Unterhaltungselektronik auf HiFi-Anlagen. Dieser Schritt spiegelt den sich wandelnden Markt und die sich entwickelnden technologischen Bedürfnisse der Verbraucher wider.

Der T1000 ist nicht nur ein Produkt seiner Zeit, sondern auch ein Zeugnis der Designgeschichte. Die Deutsche Post AG würdigte den T1000 und seinen Designer Dieter Rams durch die Herausgabe eines Postwertzeichens in der Serie "Design aus Deutschland" am 12. Juli 2018. Der Nennwert der Briefmarke betrug 3,45 Euro, und der Entwurf stammte von den Designern Sibylle und Fritz Haase aus Bremen. Heute ist der Braun T1000 im Powerhouse Museum ausgestellt, was seine Bedeutung als kulturelles und technologisches Erbe unterstreicht.

 

2. Technische Daten

Der Braun T1000 Weltempfänger stellt in technischer Hinsicht ein Meisterwerk dar, das die Grenzen der damaligen Radiotechnologie erweiterte. Entworfen in den Jahren 1962/63 als universeller Empfänger für Rundfunk- und Telegraphieempfang, legte das Design ein besonderes Augenmerk auf kompakte Form und solide Fertigung. Die FM-Kapazität des T1000 war ausgelegt, um alle vergleichbaren Geräte zu übertreffen, was seine Position als führendes Gerät in dieser Kategorie unterstrich. Dieter Rams, der maßgebliche Designer des T1000, verfolgte das Ziel, ein Radio zu schaffen, das sowohl in seiner Funktionalität als auch im Design überzeugt. Ursprünglich war sogar geplant, dem T1000 ein tragbares Fernsehgerät hinzuzufügen, ein innovativer Schritt zu dieser Zeit. Allerdings musste dieser Plan aufgrund der Größe der Lautsprecher, die für eine exzellente FM-Rezeption notwendig waren, fallen gelassen werden.

Rams äußerte sich kritisch über die "improvisierte" Materialzusammenstellung des T1000. Das Gehäuse aus Holz entsprach den traditionellen tragbaren Radios der 1950er Jahre. Die Seitenrahmen, der vordere Metalldeckel und die Lautsprecherabdeckungen bestanden aus matt eloxiertem Aluminium, während die oberen und unteren Teile mit schwarzem Kunstleder bezogen waren. Diese Materialwahl war das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit zwischen dem Designer, den Einkaufsabteilungen und den Lieferanten. Ein besonders erfolgreiches Element des T1000 war der vordere Metalldeckel, entworfen von Konstrukteur H. Haupenberger. Dieser diente als Schutz des Bedienfelds und konnte durch ein Kugelschloss entfernt werden. Im Inneren des Deckels waren wichtige Produktinformationen und das Bedienungshandbuch untergebracht.

 

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Braun T1000 Skaka [2]

 

Die Gestaltung der Grafiken auf dem großen und klaren Zifferblatt des T1000 war ein weiteres Highlight. Die endgültige Ausführung und das saubere Erscheinungsbild der Skala wurde von D. Lubs gestaltet und betonte die Allwellenfähigkeit des Empfängers sowie die vereinfachte Sendereinstellung. Farbakzente, wie der FM-Druckknopf und die roten Markierungen auf dem Wählschalter und der Skala, verdeutlichten die Nutzung für den FM-Empfang. Das technisch auffälligste Merkmal des T1000 war der zwölfstufige Trommeltuner mit seinen Goldkontakten, der eine hohe Zuverlässigkeit für das konstante Hören eines ausgewählten Senders gewährleistete. Der Trommeltuner musste fest in seiner Position verriegelt sein, während der Wählschalter neigbar und dennoch leicht zu bedienen sein sollte.  Die Gestaltung dieses Aspekts war das Ergebnis intensiver und kooperativer Diskussionen, die zu einem funktionalen und eleganten Erscheinungsbild führten. In der Anfangsphase wurde der T1000 mit einer Rate von 18 Stück pro Tag produziert, begleitet von zahlreichen Qualitätskontrollen. Marketing und Vertrieb waren professionell organisiert und auf bestimmte Verbrauchergruppen ausgerichtet. Der T1000 wurde unter anderem vom Bundespressamt bestellt, um als Geschenk für Staatsbesucher verwendet zu werden; Botschaften, Konsulate und Presseagenturen kauften große Mengen. Ab 1964 konnte der T1000 durch den PV 1000 (Radaradapter), PK 1000 und einen Radar-Kompass für den Einsatz als Navigationsgerät ergänzt werden. 

 

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Braun T1000 Innenansicht [3]

 

Der Braun T1000 Weltempfänger, eine technologische Errungenschaft seiner Zeit, integrierte fortschrittliche technische Spezifikationen und Funktionen, die ihn zu einem beispiellosen Gerät in der Welt der Radios machten. Das Radio verwendete das Superheterodyne-Prinzip, eines der fortschrittlichsten Empfangsprinzipien für Radios in dieser Zeit. Mit einer Zwischenfrequenz von 455/10700 kHz ermöglichte dieses Prinzip einen präzisen und empfindlichen Empfang über verschiedene Frequenzbereiche hinweg. Dies war besonders wichtig, da der T1000 eine breite Palette von Wellenbändern abdecken konnte, darunter Broadcast, Langwelle, mehr als zwei Kurzwellenbänder sowie FM oder UHF. Der T1000 war mit 20 Transistoren ausgestattet, darunter Typen wie AF106, AF124, AF126 und AF127, sowie mit 9 Dioden. Diese fortschrittliche Halbleiterausstattung war entscheidend für die Leistung und Zuverlässigkeit des Radios. Die Verwendung von Transistoren anstelle von Röhren war ein wesentlicher Schritt in der Miniaturisierung und der Verbesserung der Energieeffizienz von Radiogeräten. Dies trug dazu bei, dass der T1000 als tragbares Gerät konzipiert werden konnte, welches ohne Stromnetz betrieben werden konnte. Mit einem Gewicht von 8,5 kg war es zwar kein Leichtgewicht, aber dennoch transportabel.

Ein weiteres bemerkenswertes Merkmal des T1000 war sein Lautsprecher, ein Permanentmagnet-Dynamiklautsprecher (PDyn) mit elliptischer Form. Dieser Typ von Lautsprecher war für seine Zeit fortschrittlich und trug zu einer hohen Klangqualität bei. Der T1000 bot eine Ausgangsleistung von 1,2 Watt, was für einen klaren und lauten Klang auch in größeren Räumen oder im Freien sorgte. In Bezug auf die Abstimmung verfügte der T1000 über 10 AM-Kreise und 14 FM-Kreise, was eine präzise und flexible Abstimmung über ein breites Frequenzspektrum ermöglichte. Der UKW-Tuning-Bereich lag zwischen 87 und 108 MHz, der MW-Tuning-Bereich zwischen 470 und 1650 kHz, der LW-Tuning-Bereich zwischen 130 und 440 kHz und der SW-Tuning-Bereich zwischen 1,6 und 30 MHz. Dies ermöglichte es dem Benutzer, eine Vielzahl von Sendern aus aller Welt zu empfangen.

 

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Braun T1000 Schaltplan [5]

 

 

Der T1000 war auch für seine Konstruktion bekannt, die eine Kombination aus Leder, Leinwand und Kunststoff über anderen Materialien verwendete. Dies trug nicht nur zur Ästhetik des Geräts bei, sondern sorgte auch für eine robuste und langlebige Konstruktion, die für die Verwendung unter verschiedenen Bedingungen geeignet war. Insgesamt stellte der Braun T1000 Weltempfänger ein herausragendes Beispiel für technische Innovation und anspruchsvolles Design dar, das die Standards für tragbare Radios in den 1960er Jahren setzte und bis heute als ikonisches Gerät in der Geschichte der Radiotechnologie gilt.

 

SpezifikationDetails
Hersteller Braun
Modell T 1000, T 1000 CD
Typ Weltempfänger
Baujahre 1963 - 1970
Hergestellt in Deutschland
Farbe Schwarz, Metallic-braun, Metallic-silber
Fernbedienung Nein
Leistungsaufnahme Unterschiedlich 
Abmessungen 8.8x13.4x2.9 cm (BHT)
Gewicht ca. 300g
Neupreis ca. 1967: 1.400 DM (T 1000), Preis T 1000 CD unbekannt
Besondere Merkmale Zwei getrennte Empfangsteile für UKW, Kurz-, Mittel- und Langwelle, acht Wellenbereiche, Zubehör wie TN 1000, PV 1000, PK 1000

 

3. Design und kulturelle Bedeutung

Dieter Rams, der legendäre Designer bei Braun, prägte mit seiner Designphilosophie nicht nur den Braun T1000, sondern auch die Welt des industriellen Designs nachhaltig. Sein Ansatz, geprägt von dem Motto "Weniger, aber besser", reflektierte ein tiefes Verständnis für Funktionalität und Ästhetik, das aus seiner frühen Schreinerlehre mit seinem Großvater entstand. Rams, geboren am 20. Mai 1932 in Wiesbaden, Deutschland, erlernte die Wertschätzung für Funktion und Form in seiner Jugend, die von den Unruhen des Dritten Reichs und des Zweiten Weltkriegs geprägt war.

 

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Dieter Rams Portrait [4]

 

Nach seinem Eintritt bei Braun im Jahr 1955 und seiner Beförderung zum Chefdesigner im Jahr 1961 revolutionierte Rams die Welt der Braun-Produkte, indem er elektrische Rasierapparate, Plattenspieler, Hi-Fi-Stereos, Möbel und vieles mehr entwarf. Seine Designphilosophie manifestierte sich in den Zehn Prinzipien guten Designs, die er während seiner Zeit bei Braun entwickelte. Der Braun T1000, einer seiner ersten Entwürfe als Chefdesigner, ist ein perfektes Beispiel für diese Prinzipien. Das Radio zeichnete sich durch ein innovatives Design aus, das sowohl ästhetisch ansprechend als auch funktional war. Die Bedienelemente und Komponenten des Radios waren hinter einer klappbaren Vorderseite verborgen, was die Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit des Designs betonte. Die kulturelle Bedeutung des T1000 spiegelt sich auch in seinem Kontext wider. Das Radio wurde in der Hochzeit des Kalten Krieges im damaligen Westdeutschland hergestellt. Seine Fähigkeit, Sendungen aus aller Welt zu empfangen, symbolisierte die demokratische Freiheit – eine Freiheit, die den Bürgern Ostdeutschlands hinter dem "Eisernen Vorhang" verwehrt war. Die Gestaltung des T1000 mit zahlreichen Antennen, Zifferblättern und Knöpfen gab ihm den Charakter eines militärischen oder Überwachungsgeräts, obwohl es für den Konsummarkt entworfen wurde.

Braun, gegründet 1921 und bekannt für sein benutzerzentriertes Design, hat durch die Arbeit von Dieter Rams und anderen bedeutenden Designern einen nachhaltigen Einfluss auf die Welt des Designs ausgeübt. Die Gestaltung der Braun-Geräte inspirierte sogar viele moderne Geräte, insbesondere Produkte von Apple. Dieser Einfluss zeigt, wie weitreichend die Prinzipien und das Designethos von Rams und Braun waren und weiterhin sind. Die Geschichte von Braun selbst ist eng mit der Entwicklung der Radiotechnologie verbunden. Das Unternehmen begann 1929 mit der Herstellung von Detektoren für Radioempfänger und entwickelte sich schnell zu einem Hersteller kompletter Radiosets. Braun war einer der ersten europäischen Hersteller, der 1932 ein Radiogerät und einen Plattenspieler in einem einzigen Gerät kombinierte. Während des Zweiten Weltkriegs musste Braun fast alle seine Produkte einstellen, mit Ausnahme seiner mechanischen Taschenlampe, der Manulux. Nach dem Krieg erkannte Max Braun, der Gründer des Unternehmens, das Potenzial aufstrebender Märkte wie Küchen- und Haushaltsgeräte und startete die Massenproduktion des ersten elektrischen Rasierapparats, des S50, wodurch die Grundlage für die Schlüsselabteilungen des Unternehmens geschaffen wurde.

Die in diesem Beitrag präsentierten Geräte und Fachkenntnisse sind Teil der umfangreichen Sammlung von Klaus Burosch. Entdecken Sie mehr unter Klaus Burosch's Sammlung (burosch.de)

 

Quellen [16.12.2023]

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Braun_T_1000

[2] http://www.shortwaveradio.ch/doku.php?id=de:t1000

[3] https://www.radiomuseum.org/r/braun_weltempfaenger_t1000.html#

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Rams

[5] https://elektrotanya.com/braun_t_1000_cd_sch.pdf/download.html

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