7.9 Bei den Röhren tut sich was ...

Die "neuen" Valvo-Röhren waren ursprünglich für den Standardsuper vorgesehen, aber was war eigentlich neu an ihnen? Tatsächlich handelte es sich nur um eine Änderung in der Farbe - die Röhren waren vor dem Krieg als "rote Serie" von Philips hergestellt worden und Valvo hatte ihnen nun eine goldene Abschirmung verpasst. Ihre Bauart, einschließlich des Sockels, war sogar älter als die der Stahlröhren, die von Telefunken seit 1946/47 wieder produziert wurden. Valvo wollte ihre "Goldenen" jedoch nicht nur für den Standardsuper, sondern auch für einfachere Geräte einsetzen. Denn auch in den Nachkriegsjahren wurden noch viele Geradeausempfänger hergestellt, für die die Radiowerke dringend Röhren benötigten.

 

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Im Jahr 1948 wurde das Wega-Einkreisgerät Type 213 mit den Valvo-Topfsockelröhren UF 6 und UL 2 ausgestattet.

 

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Das Chassis des Lorenz-Vierkreis-Sparsupers Hannover aus dem Jahr 1948 war mit den Röhren UCH 5, UF 6, UL 2 und UY 3 bestückt. Ein interessantes Detail war, dass Lorenz keinen Luft-Drehko hatte, da präzise Alubleche fehlten. Stattdessen wurden zwei günstige Drehkos mit Phenolharz-Dielektrikum verwendet, bei denen der Gleichlauf nicht garantiert war. Aus diesem Grund war eine Gleichlauf-Korrektur mittels Stator-Nachstellung für den Eingangskreis erforderlich, ähnlich wie bei den Zweikreisern aus den 1920er Jahren.

 

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In den Jahren 1945 bis 1947 wurden noch viele Einkreiser mit Wehrmachttypen, alten Stiftröhren oder Röhren der A-, C- oder V-Serie ausgestattet. Es wurde jedoch ein Bedarf an neuen Typen erkannt, weshalb Valvo 1948 die UF 6 und die kleine Endröhre UL 2 auf den Markt brachte. Zusammen mit der UCH 5 entstand so auch ein Allstrom-Röhrensatz für zeitgemäße Vierkreis-Superhets. Im Radiokatalog 1948/49 wird neben dem Chassis des Lorenz-Hannover auch die Type S 49 mit 2 x UCH 21 und UBL 21 aufgeführt, die Restbestände von Philips-Röhren verwendet.

 

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Laut einer Notiz in der "Funkschau" Ausgabe 7/1950 auf Seite 104 und im "Radio-Magazin" Ausgabe 4/1950 auf Seite 98 wurden insgesamt 4,7 Millionen Valvo-Radioröhren produziert. Diese Zahl entsprach ungefähr der Jahresproduktion von Telefunken in den 1930er Jahren.

 

In den Jahren 1948/49 kehrte man vorübergehend zur alten Quetschfuß-Technik zurück, da die Röhren der 21er-Serie spezielle Glassorten und Molybdän- bzw. Chromeisenstifte erforderten, die hierzulande nicht schnell genug produziert werden konnten. Allerdings hatte Lorenz schon Erfahrungen mit der Preßglastechnik, die sie bereits bei der Wehrmachtröhrenfertigung eingesetzt hatten. Ab 1948 baute Lorenz ihre Röhrentypen nach Art der 21er-Philips-Schlüsselröhren im neuen Werk in Esslingen, beginnend mit der UL 71. Es gibt widersprüchliche Angaben darüber, ob es eine Einigung mit Philips gab. Der Superhet-Röhrensatz (ECH 71 / EBL 71 und dasselbe in "U") wurde später durch die EEL 71 / UEL 71 und den magischen Fächer EM 71 ergänzt. Die Weiterentwicklungen führten zu Röhren, die den Röhrenmarkt revolutionieren sollten. Bereits im Juli 1947 berichtete die "Funkschau" über neue Allglas-U-Röhren von Philips, die auf dem Schweizer Markt erhältlich waren und eine Heizleistung hatten, die so gering war, dass sie bei 100 mA Heizstrom alle fünf auch bei 110 Volt in eine Serie gelegt werden konnten.

 

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Die Rimlock-Röhren, die aufgrund ihrer Größe und anderen Vorteilen als zukunftsweisend betrachtet wurden, sollten in deutschen Geräten eingesetzt werden. Jedoch konnte vorerst nur Philips sie herstellen, nicht einmal Valvo. Die Einführung eines Verbots für die Schaffung neuer Röhrentypen für Rundfunkgeräte ohne vorherige Genehmigung wurde von Theodor Graf von Westarp (Philips) empfohlen, um die aktuelle Zersplitterung auf mehrere Röhrenlinien zu beenden. Dies verärgerte Telefunken, da sie befürchteten, dass dies ihre Konkurrenz ausschalten würde. Alfred Nowack schrieb den Artikel "Ein Wort für die deutsche Röhre", um die Bedeutung der deutschen Röhrenherstellung zu betonen. Obwohl bisher verfügbare Stahlröhren nicht die geeignetsten für den UKW-Funk (-Empfang) waren, hatte Telefunken das hochwertige Gerät 9 H 99 WU entwickelt, das in der HF-Vorstufe noch mit einer RV 12 P 2001 bestückt war, und im Oszillator mit der P 2000.

Zu dieser Zeit war die Diskussion um die neuen Miniaturröhren für die Berliner Röhrenfabrikanten nicht besonders willkommen. Obwohl im Werk Ulm bereits 1949 Miniaturröhren für Autoradios entwickelt wurden, fehlte es vor allem an Kapital für größere Produktionsanlagen. Aus diesem Grund konzentrierte man sich vorerst auf die Erweiterung der Stahlröhren-Serien, die durch die UEL 11, ECF 12, EAA 11/UAA 11 und schließlich die Regelpentoden EF/UF 15 und EBF/UBF 15 vervollständigt wurden. Die prekäre Lage Deutschlands wurde im Februar 1950 im "Radio-Händler" beschrieben, da weder Telefunken noch Siemens sich heute Laborausgaben wie Philips in Eindhoven leisten konnten.

 

 

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